Der Glaube, dass Wirtschaftswachstum den Wohlstand steigern und gesellschaftliche Probleme lösen könne, beherrschte und beherrscht das Denken und die Politik der unterschiedlichsten Gesellschaftssysteme – seien sie keynesianisch, neoliberal oder sozialistisch geprägt. Doch die Versprechungen der Wachstumsbefürworter sind vielfach nicht eingetroffen sondern haben sich nicht selten in ihr Gegenteil verkehrt: anhaltende Massenerwerbslosigkeit, Umverteilung von unten nach oben und ein Auseinanderklaffen der Schere zwischen Reich und Arm in praktisch allen Ländern, aber auch global. Zu den vielfach beschriebenen Grenzen des Wachstums sind regionale und globale ökologische Katastrophen hinzugetreten. Zuletzt hat sich die ungebremste Wachstumsdynamik in der Weltfinanz- und Weltwirtschaftskrise entladen. Trotzdem wird Wirtschaftswachstum weiterhin als Allheilmittel zur Überwindung all dieser krisenhaften Phänomene gepriesen.

Verschärftes Klimachaos, Verlust der biologischen Vielfalt und andere Umweltzerstörungen gehen zuerst zu Lasten der ärmeren Bevölkerungsgruppen, vor allem in den Ländern des Südens. Weltweit hungern eine Milliarde Menschen. Hunderttausende müssen schon jetzt wegen der Klimaerwärmung flüchten und Ressourcenkriege werden geführt. Weltweit stößt die fossile Basis des Kapitalismus bald an ihre Grenzen, denn Rohstoffe wie Öl, Gas und Phosphat sind begrenzt.

Eine Auseinandersetzung mit neuen Konzepten des Wirtschaftens und eine Diskussion über Alternativen zur Wachstumsgesellschaft sind deshalb dringend nötig!

Bereits seit Jahrzehnten wird über die ökologischen, ökonomischen und sozialen Grenzen des Wachstums diskutiert. Inzwischen gibt es jedoch eine neue Dynamik bei der Auseinandersetzung um das bisherige Wachstumsparadigma. Einige plädieren für ein nachhaltiges und/oder soziales Wachstum. Sie gehen davon aus, dass ein gewisses Wirtschaftswachstum notwendig ist, um soziale und ökologische Probleme zu lösen. Demnach wäre eine Kombination von ökologischem Umbau sowie öffentlichen Investitionen, höheren Löhnen, neuen Arbeitsplätze und einem Ausbau der sozialen Sicherung geeignet, die Umweltkrise zu lösen und mehr Gerechtigkeit zu schaffen.

Andere halten diese Maßnahmen für sinnvoll, aber nicht ausreichend. Sie fordern ein Ende des Wachstums oder eine Schrumpfung der Ökonomie ein. Sie gehen davon aus, dass ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum nicht möglich ist, weil Wachstum die Effizienzgewinne zunichte macht und jedes Wachstum die sozialen und ökologischen Krisen verschärfen wird. Daher fordern sie eine grundlegende Transformation zu einer solidarischen Ökonomie und einer Gesellschaft ohne Wachstum.

Der Kongress Jenseits des Wachstums?!, der vom 20. bis 22. Mai 2011 in Berlin stattfinden wird, zielt darauf ab, diese unterschiedlichen Positionen kontrovers und konstruktiv zu diskutieren. Er will Interessenkonflikte benennen, aber auch Wege für ein gutes Leben für alle in einer Gesellschaft ohne Wachstumszwang ausloten und dazu Strategien skizzieren.

Folgende Fragen werden u.a. auf dem Kongress diskutiert:

− Was sind die Triebkräfte des Wirtschaftswachstums? Kann eine kapitalistische Ökonomie ohne Wachstum fortbestehen?
− Kann angesichts der ökologischen und sozialen Grenzen die Wirtschaft weiter wachsen? Und ist das unabhängig davon wünschenswert? Welche Potentiale und Grenzen stecken in Konzepten nachhaltigen Wachstums?
− Welche Entwicklungschancen gibt es für die Länder des Südens, wenn Wachstumsmöglichkeiten vom Norden in den Süden umverteilt werden? Ist Wachstum im Süden der richtige Weg oder gibt es alternative Entwicklungspfade?
− Wie wollen wir in Zukunft arbeiten, und welche Rolle spielt dabei Arbeitszeitverkürzung? Wie kann soziale Sicherung auch jenseits des Wachstums gestaltet werden?
− Welche Folgen für Verteilungsgerechtigkeit hat Wachstum bzw. hätte eine Postwachstumsökonomie, insbesondere im Nord-Süd-Kontext?
− Wie kann „jenseits des Wachstums“ gewirtschaftet werden? Wie können die Finanzmärkte entwaffnet werden, welche Bedeutung hat die Geldform und welche Rolle spielt die Solidarische Ökonomie? Wie kann eine sozial-ökologische Konversion von Industrien aussehen, welche Bedeutung kommt dem Dienstleistungssektor bei einem sozial-ökologischen Umbau zu und welche Formen von Wirtschaftsdemokratie sind denkbar?
− Unter welchen Bedingungen trägt eine geschlechtergerechte Ökonomie zur   Wachstumsbefriedung bei?
− Ist „gutes Leben“ (nur) mit oder (nur) ohne Wachstum möglich?


Der Kongress besteht aus zwei Teilen: In einem ersten Teil Analyse und Kritik werden die individuellen und strukturellen Triebkräfte und Probleme der gegenwärtigen Wachstumsökonomie, deren ökologische und soziale Grenzen, sowie die Krise der Arbeitsgesellschaft analysiert. In einem zweiten Teil werden Alternativen und Strategien für eine Gesellschaft jenseits des Wachstums diskutiert, wobei Themen wie solidarisches Wirtschaften, globale Gerechtigkeit, Lösungen zur Krise der Arbeitsgesellschaft und das gute Leben in einer begrenzten Welt im Vordergrund stehen.

--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Ein Kongress von

in Zusammenarbeit mit Friedrich-Ebert-Stiftung, Heinrich-Böll-Stiftung, Otto-Brenner-Stiftung, Rosa-Luxemburg-Stiftung

unterstützt von
AbL - Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, Aktionsbündnis Gerechter Welthandel, Brot für die Welt, Gemeingut in BürgerInnenhand, DGB-Jugend, DNR - Deutsche Naturschutzring e.V.,  Eine-Welt-Landesnetzwerk Mecklenburg-Vorpommern, Fairbindung e.V., EED – Evangelischer Entwicklungsdienst, Focus on the Global South, gegenstrom Berlin, Grüne Jugend, ila - Informationsstelle Lateinamerika, Initiative Ökosozialismus, INKOTA-Netzwerk e.V., isw – Institut für sozial-ökologische Wirtschaftsforschung e.V., ISM - Institut Solidarische Moderne, KAB - Katholische ArbeitnehmerBewegung, KASA - Kirchliche Arbeitsstelle südliches Afrika, Labournet, Linksjugend ['solid], Misereor, Naturfreunde, Netzwerk Grundeinkommen, Netzwerk Vorsorgendes Wirtschaften, Paecon - Arbeitskreis Postautistische Ökonomie e.V., Pax Christi, Pestel-Institut, Powershift (Verein für eine ökologisch-solidarische Energie- & Weltwirtschaft), Reformierter Bund, Robin Wood, SERI Nachhaltigkeitsforschungs und –kommunikations GmbH, SOAG e.V. - Förderverein Solidarität in Arbeit und Gesellschaft, SINet - Social Innovation Network, SODI - Solidaritätsdienst International e.V., Transition Town Initiative Friedrichshain/Kreuzberg, Vereinigung deutsch-ausländische Solidarität e.V., VÖÖ - Vereinigung für Ökologische Ökonomie e.V., WEED - Weltwirtschaft, Ökologie & Entwicklung u.a.

Aufruf als .PDF

.